Urlaubserinnerungen
Kolumne

So fremd

und doch vertraut

Stellen Sie sich vor, die Schwester von der Diakonie kommt. Sie spricht aber nicht schwäbisch, sie stammt aus der Slowakei, Slowenien oder Schweden. Fremdheit kann Misstrauen wecken. Mancher runzelt die Stirn. Man kann aber auch versuchen, es positiv zu sehen.

Sprachen lernen

Sicher will jede Pflegekraft die Sprache des Landes lernen, in der sie tätig ist: hier also Deutsch – oder sogar Schwäbisch. Aber mir fällt da auch Frau Lang ein. Die alte Dame wurde von Pflegerin Sandra aus Kroatien betreut. Frau Langsagte: „Ich frage Sandra jeden Tag nach einem Wort auf Kroatisch. Und so lerne ich nach und nach eine neue Sprache kennen.“ Mit der Zeit hatte sie eine ansehnliche Liste mit kroatischen Begriffen beisammen, die sie immer wieder wiederholte. „Multi-kulti“ kann also auch eine Chance für die grauen Zellen sein.

Franco, der Italiener

Herr Schäfer arbeitete früher in einer Fabrik. Er erzählte mir: „In den 50er- und 60er-Jahren hatte ich viele Arbeitskollegen aus Italien: sogenannte Gastarbeiter. Das war damals eine richtige Welle. Wir waren froh, dass die Italiener zu uns gekommen sind. Ohne sie wäre das Wirtschaftswunder nie möglich gewesen.“ Und ganz besonders an einen Italiener erinnert sich Herr Schäfer gerne: an Franco. Der hat bei ihm in der Stahlgießerei gearbeitet. Und obwohl er viel jünger war, wurde er ein guter Freund von Herrn Schäfer. Schließlich hat sich Franco sogar in Herrn Schäfers Tochter Birgit verliebt – und wurde Herr Schäfers Schwiegersohn. Gelungene Integration durch Heirat. Dafür ist Herr Schäfer dankbar. Und ebenso für seine drei Enkelkinder: Lucia, Maria und Freddy.

Urlaubserinnerungen

Vielleicht stammen die Menschen, die Sie pflegen, aus einem Land, in dem Sie schon einmal Urlaub gemacht haben. Italien habe ich schon genannt. Vielleicht pflegt Sie jemand aus Österreich oder Spanien – oder einem arabischen Land. Urlaube können wundervolle Anknüpfungspunkte für Gespräche sein. Sie können Erinnerungen wecken und Spaß machen. Oft besteht der Reiz fremder Kulturen auch darin, dass es dort ganz andere Gepflogenheiten gibt als im eigenen Land.

Andere Länder, andere Sitten

Vielleicht kennen Sie solche anderen Bräuche. Haben Sie schon einmal von der Insel gehört, auf der eine Frau nie die Wäsche ihres Bruders waschen darf? Wissen Sie, wo man keine gelbe Blumen verschenken sollte? Oder in welchem Land es als schick gilt, wenn man bei Gesprächen die linke Hand in die Hosentasche steckt?

Im Internet habe ich ein interessantes Quiz über die verschiedenen Sitten in anderen Ländern gefunden. Es sind 15 unterhaltsame Fragen. Falls Sie selbst an diesem Quiz teilnehmen möchten, finden Sie es hier:

https://www.geo.de/reisen/reisequiz/13177-quiz-quiz-wissenstest-andere-laender-andere-sitten

Gelernt habe ich dabei Folgendes:

In Italien ist es verpönt, die Spaghetti klein zu schneiden. Das machen nur kleine Kinder.

In Thailand sollte man den Kopf anderer Menschen nicht berühren. Der oberste Teil des Menschen erhält dort besondere Wertschätzung.

In Russland bitte keine gelben Blumen oder Blumen in gerader Anzahl verschenken! Denn das gilt als Zeichen für Trauer und Trennung.

In Madagaskar dürfen Frauen nicht die Kleidung ihres Bruders waschen. In verschiedenen Gebieten dort gibt es unterschiedliche Gebräuche.

In Singapur wird es hart bestraft, wenn man seinen Kaugummi auf die Straße spuckt.

In Vietnam gilt es als Tabu, die Nase öffentlich zu putzen. Lieber einmal öfter hochziehen …

Jemandem aus Taiwan sollte man nicht mit roter Tinte schreiben. Das bedeutet nämlich: Ich will nie wieder etwas mit dir zu tun haben!

In Großbritannien kann man bei einem Gespräch die Hand ruhig in die linke Hosentasche stecken. Das gilt als klug, souverän, lässig und schick.

In Luxemburg isst man Kuchen mit Messer und Gabel.

In diesem Sinne: auf Wiederlesen, adiós und good bye! – Ihr Uli Zeller

Ulli Zeller Autor von Geschichten für Demenzkranke

Uli Zeller

Uli Zeller ist Seelsorger in einem Altenheim in Singen. Er schreibt Bücher für Menschen mit Demenz und deren Betreuende (http://t1p.de/BestZeller).

Zum Thema Vielfalt passt sein Buch mit Reisegeschichten. Titel: „Frau Schmitt fährt mit“. Im Internet finden Sie seine regelmäßige Kolumne „Uli & die Demenz“ auf die-pflegebibel. de.

Urlaubserinnerungen für Demenzkranke